Auf Reisen liebe ich die Einfachheit. Ich mag es mich auf das Wesentliche zu konzentrieren, den Luxus wegzulassen. Mir hilft es dabei alles wieder in Balance zu rücken und die kleinen Dinge wertzuschätzen.

 

Im Alltag vergessen ich das oft. Zuhause ist einfach alles selbstverständlich: Der prall gefüllte Kleiderschrank, das eigene Bett, das eigene Badezimmer mit fließendem und warmen Wasser, der volle Kühlschrank und auch das es keine größeren Naturkatastrophen gibt.

 

Auf der anderen Seite mag ich es aber auch mich von Zeit zu Zeit im 5-Sterne-Hotel verwöhnen zu lassen. Ich müsste lügen, wenn ich das verneinen würde. Aber ich genieße es umso mehr, wenn es nicht alltäglich ist. Deshalb habe ich mich in meinem Leben bewusst für die Mischung auf Reisen entschieden: Unterkünfte in Schlafboxen mit Gemeinschaftsbädern, Mittelklassehotels, Campingplätze und ja, auch mal das Luxusresort für ein paar Nächte. Das genieße ich dann aber auch sehr bewusst und in vollen Zügen. Das sind die Tage, wo das Handy mal bewusst in der Tasche bleibt, der Laptop zugeklappt und ich nur das tue, auf das ich Lust habe.

 

Was mag ich an dieser bunten Mischung und warum übernachte ich nicht einfach ständig in tollen Hotels?

 

Mal ganz vom Kostenfaktor abgesehen und von der Tatsache, dass mich zu viel Routine langweilt. Es geht mir dabei vor allem um das Thema Dankbarkeit, das ich in diesem Fall von zwei verschiedenen Perspektiven aus praktizieren kann. Wenn ich in einer so genannten Schlafbox übernachte und mir mit zum Teil 60 anderen Reisenden ein Zimmer und das Bad teile, genieße ich zum einen den Kontakt zu den anderen Reisenden, aber ich lerne mein eigenes Zuhause in Deutschland auch umso mehr schätzen. Mir wird bewusst wie gut wir es haben und in welchem Luxus jeder Einzelne von uns eigentlich groß wird. Und damit meine ich eben nicht (nur) die materiellen Dinge, sondern eben die Sachen, die für uns inzwischen selbstverständlich sind. Die es aber eben nicht in allen Teilen der Welt sind. Ich bin in dem Augenblick einfach dankbar für alles was ist, für mein Zuhause und das es mir so gut geht. Ich lerne die Dinge wieder viel mehr zu schätzen, die wir im Alltag als völlig normal betrachten. Auch dafür das ich in einem solch tollen Land wie Deutschland aufgewachsen bin, denn ich mag unser Land und unser Kultur sehr. Ich bin mir bewusst, dass das nicht alle Reisende tun und gerade viele digitale Nomaden Deutschland am liebsten den Rücken kehren würden oder das auch tun. Auch ich sehe Deutschland seit meinen vielen Reisen durch einen anderen Blickwinkel, sehe die Probleme, aber auch die Negativität vieler Menschen. Sehe das typische Nörgeln und Meckern der Deutschen, das man in dieser ausgeprägten Form in kaum einem anderen Land vorfindet, und vermisse bei vielen das Anpacken der Probleme, den Wunsch und die Bereitschaft etwas ändern zu wollen. Dennoch finde ich, dass wir ein großartiges Land haben, denn ich sehe auf der anderen Seite auch Menschen, die genau das tun und sich mit voller Energie Tag für Tag mit ihrer Leidenschaft einbringen unsere Welt Stück für Stück zu verbessern. Das finde ich großartig und dafür bin ich dankbar.

 

Aber zurück zum Reisen. Wenn ich in einem First Class Hotel bin, bin ich nicht weniger dankbar. Aber dann verspüre ich eine ganz andere Art von Dankbarkeit. Dann bin ich dankbar dafür, dass ich mir auch solche Übernachtungen leisten kann und dass ich so erfolgreich im Job bin, um das finanzieren zu können. Ich genieße dann jeden Moment, lasse die Seele baumeln und es mir gut gehen. Genieße ein tolles Essen, ein Glas Wein, den Ausblick aufs Meer und lasse mir am Pool die Sonne auf den Bauch scheinen bei einem guten Buch.

 

Gerade in diesen Unterkünften passiert dann aber von Zeit zu Zeit doch etwas Eigenartiges. Es kommen Wünsche hoch, die vorher noch nicht da waren. Wünsche á la „Zuhause hätte ich auch gern solch ein tolles Bett oder solch eine tolle Regendusche“. Ich komme also in einen Status in dem ich feststelle was mir Zuhause fehlt oder was ich an meiner Wohnung noch verbessern könnte. Schwupps, bin ich gedanklich dabei Veränderungen an meiner Wohnung zu planen oder eine neue Matratze meiner imaginären Einkaufsliste hinzuzufügen. Herzlich Willkommen im Mangelbewusstsein!

 

Ich frage mich in solchen Momenten, was das Reisen mit mir machen würde, wenn ich nur in luxuriösen Hotels schlafen würde. Wenn ich hingegen nach ein paar Nächten in einer Schlafbox, an meine Wohnung denke, sind meine Gedanken nahezu automatisch voller Fülle, Dankbarkeit und Freude. Da ich die Unterkünfte wie gesagt mische, bedeutet das für mich am Ende der Reise: Es ist alles gut so wie es ist!

 

 

Viele Menschen sind unzufrieden in ihrem Job und sind auf der Suche nach ihrem Traumjob. Einem Job, in dem das ständige gestresst sein ein Ende hat, in dem die Kollegen nicht nerven, das Geld stimmt, die Arbeitszeiten flexibel sind, die Aufgabe spannend und herausfordernd und und und. Gibt es so etwas überhaupt oder ist alles nur eine Illusion? Wäre es nicht ein bisschen zu naiv zu glauben, dass wir etwas finden können wo alles stimmt und wir nichts dran auszusetzen haben?

 

Nein! Ich bin davon überzeugt diesen Traumjob gibt es. Für jeden von uns. Auch wenn es für jeden ein anderer ist. Was ich allerdings nicht glaube ist, dass dieser Beruf in allen Belangen perfekt ist.  Aber zunächst die Frage: Was verstehe ich unter einem Traumjob?

 

Ein Traumjob ist für mich ein Job, der mir Spaß macht, der mich packt und fesselt. Der mich die Zeit vergessen lässt. Vergessen lässt welcher Wochentag heute ist und ich arbeiten möchte, obwohl Sonntags ist und andere Leute vorm Fernseher abhängen. Der mir ein Strahlen in die Augen zaubert und am wichtigsten: Der im Einklang mit meinen inneren Antreibern steht! Denn nur dann, und das ist mein fester Glaube, kann ein Job mir die Erfüllung geben, die ich suche. Nur dann, kann ich auch richtig gut in dem sein, was ich tue. Und nur dann entfacht der Job die Leidenschaft in mir mein Bestes zu geben.

 

Seine eigenen Motive zu kennen kann so hilfreich sein. Manchmal verirren wir uns total im falschen Beruf. Geschichten von einstigen Unternehmensberatern, die jahrelang Vollgas gegeben haben und plötzlich erkannt haben, dass sie das nicht glücklich macht und ihr Leben um 180 Grad drehen und nun an einem Strand im Ausland eine kleine Surfschule betreiben. Die Bankerin, die ehrgeizig einer Zielvereinbarung nach der anderen hinterherjagte und nun ein kleines schnuckeliges Café eröffnet hat. Es gibt solche Geschichten, es gibt aber auch unspektakulärere. Wer kennt nicht Menschen, die unglücklich sind im Job, obwohl sie den Beruf ausüben, den sie sich schon immer gewünscht haben? Man grübelt und grübelt, aber weiß nicht warum das Glücksgefühl ausbleibt. Ein Blick auf die inneren Antreiber kann schnell helfen und bringt Licht ins Dunkel. Manchmal macht uns die Aufgabe großen Spaß, aber das Setting stimmt vielleicht nicht. Wir lieben es mit unseren Kollegen zusammenzuarbeiten, den Wert der Teamarbeit auszunutzen und gemeinsam zu einer Lösung zu kommen. Wenn wir aber in einer Unternehmenskultur arbeiten, die gepickt ist von Einzelkämpfern, die genau darauf keinen Wert legen, sondern schnelle Entscheidungen treffen möchten und Teamarbeit für vergeudete Zeit halten, werde ich in einer solchen Kultur nicht mein volles Potential entfalten können. Und umgekehrt genauso wenig wohlgemerkt!

 

Habe ich einen Job, bei dem mir die Aufgabe große Freude bereitet und auch mit meinen inneren Antreibern stimmig ist, verhält es sich ganz anders. Ob dann alles perfekt ist? Auch das muss ich verneinen. In jedem Beruf und ja, auch in unserem Traumjob, wird es etwas geben, dass wir nicht gerne machen, was uns stört oder was einen Nachteil gegenüber einem anderen Job hat. Aber wen juckt das noch, wenn wir wirklich unsere Erfüllung gefunden haben? Wenn wir lieben was wir tun, entspannt sind, morgens gerne aufstehen und uns auf den Tag freuen, wenn wir unserem Warum nachgehen können und rundum zufrieden sind, dann nehmen ich auch die lästige Buchhaltung in Kauf, die dieser Job mit sich bringt. Oder das geringere Einkommen, wenn wir dafür viel mehr Zeit für uns und unsere Hobbies haben. Wir mehr Reisen können. Wir insgesamt ausgeglichener sind. Und die nervige Kollegin kann mir dann sowieso nichts mehr.

Wenn man über Work Life Blending vs. Work Life Balance spricht, gehen die Meinungen auseinander. Einige sind der Auffassung, der Job gehöre genauso zum Leben dazu wie das Life und finden eine Differenzierung Quatsch. Andere hingegen fürchten die Aufhebung dieser Trennung vor Angst dann gar kein „Life“ mehr zu haben, da man für den Chef dann auch offiziell ständig erreichbar ist.

 

Bei der Präsenzkultur ist es ähnlich wie bei dem Thema Work Life Balance, auch hier spalten sich die Lager. Werden auf der einen Seite die Rufe nach Home-Office-Möglichkeiten lauter, schaffen Unternehmen wie IBM diese wieder strikt ab. Schaut man über den deutschen Tellerrand hin zum Silicon Valley hört man auch hier oft, wie wichtig die räumliche Nähe der Mitarbeiter untereinander sei. Manche gehen sogar so weit, dass sie mit jemanden nur zusammenarbeiten möchten und als potentiellen Geschäftspartner betrachten, wenn er oder sie in der unmittelbaren Umgebung ansässig ist. Und es leuchtet auf den ersten Blick durchaus ein. Ist doch gerade bei Start-Ups und Innovationen gerade die Schnelligkeit ein enorm wichtiger Faktor und entscheidet über den Erfolg oder Misserfolg eines Produktes. Aber auf der anderen Seite haben wir ja genau dafür heutzutage dank der modernen Kommunikationsmittel alle Möglichkeiten. Kommunikationsmittel, die sogar genau dort erfunden wurden: In Kalifornien von Firmen wie Facebook, Google & Co. Und doch legt man ausgerechnet dort Wert auf den persönlichen Kontakt und den Austausch, auf das Zusammenarbeiten in der Ideenschmiede. Sofort hat man Bilder vor Augen wie junge Gründer oder auch Angestellte stunden- und nächtelang zusammenhocken um an einer Idee zu feilen. Gründer, die Flip-Flops und kurze Hosen tragen. Im Office, das eher aussieht wie ein Wohnzimmer, auf der Wiese des Campus oder im Garten des Büros, im Café nebenan. Braucht man eine Pause, legt man sich kurz auf das Sofa, geht ins Fitnessstudio oder stärkt sich bei einem gesunden Mittagessen, dass der Koch mitten in der offenen Küche des Großraumbüros aus frischen Lebensmitteln gezaubert hat.

 

Aber mal ehrlich, wer in Deutschland schon mal einen Schritt in ein Unternehmen gewagt hat, weiß, dass die Realität hier für gewöhnlich ein wenig anders aussieht. Man sitzt steif in Businesskleidung an Buche-Schreibtischen aus den 80iger Jahren, in der Kantine gibt es drei Standard-Gerichte, die einem bis abends meist schwer im Magen liegen und der Kicker, der einst die Coolness und Lockerheit repräsentieren sollte, verstaubt in der Ecke. Darüber hinaus verbringt man unendlich viel Zeit in unproduktiven Meetings und zusammenarbeiten tut auch keiner so recht. Viele scheuen sich immer noch davor ihr Wissen offen mit Kollegen zu teilen aus Angst vor Machtverlust. Und nach spätestens 10 Stunden geht’s nach Hause. Dem deutschen Arbeitszeitgesetz sei Dank. Das klingt hart und in vielen Fällen sicherlich auch ungerecht, aber oft genug ist es doch traurige Realität.

 

Wann am Tag hast du deine kreative Phase?

 

Bei mir ist es in der Früh nach dem Aufstehen bis zum Mittag und dann wieder ab nachmittags bis spät abends. Abends, wenn andere vor dem Fernsehen sitzen und ihren Feierabend genießen, sitze ich am liebsten vor dem Laptop und arbeite. Denn ich habe dann einfach gute Ideen und bin kreativ. Am frühen Nachmittag brauche ich eine Pause, meine Beine sehnen sich nach Bewegung, mein Magen braucht eine Stärkung. Ebenso mein Geist. Auch er will eine Pause haben und möchte abschalten. Wenn ich Zuhause bin, gebe ich beiden genau das was sie verlangen. Und zwar durchaus länger als die standardmäßige Mittagspause von 30 Minuten. Ab Nachmittags bin ich wieder total motiviert und vor allem produktiv. Ich genieße es am Abend bereits alle wichtigen Dinge des Tages erledigt zu haben und mich dann in Ruhe für größere Projekte an den Schreibtisch zu setzen.

 

Im Büro geht das in dieser Form nicht. Manchmal frage ich mich nach dem Warum. Ist es tatsächlich undenkbar oder einfach nur zu weit weg in unseren Köpfen, die noch auf 9-5 gepolt sind? Und wenn es nur 9-5 wäre. Oftmals ist es ja eher ein 8-Ende offen, wobei die 10+ Stunden oftmals alles andere als produktiv sind.  Auch unsere Arbeitskultur spielt eine große Rolle dabei, warum wir sofort den Kopf schütteln und sagen, dass dies nicht möglich sei. Wir sind immer noch zu sehr in der Präsenzkultur gefangen. Davon müssen wir weg. Hin zur Ergebniskultur, in der zählt WAS der Einzelne leistet und nicht WIE LANGE er da war. Aus meiner eigenen Erfahrung kenne ich Fälle, da lesen Mitarbeiter morgens gemütlich Zeitung, die Füße auf dem Schreibtisch, Zeitung in der einen, Stulle in der anderen Hand. Kein Scherz. Und wehe es kommt jemand rein und hat eine Frage und unterbricht die Frühstückspause. Alles schon erlebt, alles schon gesehen. Oder am späten Nachmittag wird lustlos im Internet gesurft, die nächste Urlaubsreise online gebucht oder sonst wie die Zeit vertrödelt. Bloß nicht eher als der Chef gehen lautet die Devise. Wir müssen schließlich einen guten Eindruck machen und zeigen wie engagiert und fleißig wir sind. Oder die geliebten Raucherpausen, die selbst von denjenigen in Anspruch genommen werden, die gar nicht rauchen, aber jede Abwechslung willkommen heißen. Verrückt, oder? Und nicht nur das: Auch ziemlich kostspielig fürs Unternehmen.

 

Der gesunde Menschenverstand sagt einem eigentlich schon beim Lesen, wie schwachsinnig diese Präsenzkultur ist. Und doch ändern wir sie nicht. Das geht schließlich nicht. Dann macht ja jeder was er will. Dann arbeitet keiner mehr und alle machen nur noch Freizeit. Der Job ist ja kein Wunschkonzert, sondern der „Ernst des Lebens“. Und der darf natürlich bitte keinen Spaß machen, dafür wirst du schließlich bezahlt. Doch genau das fordert die Generation Y: Sie will Spaß bei der Arbeit haben und sich selbstverwirklichen.

 

Unternehmen sollten Vertrauen in ihre Mitarbeiter haben!

 

Und Ihnen die Freiheiten lassen, die sie brauchen. Klar, das geht nicht bei jeder Tätigkeit. Aber oftmals geht es eben doch. Und wenn die Mitarbeiter das ausnutzen, dann sind sie nicht motiviert. Aber dann sind sie es auch im Büro nicht. Oder glaubt jemand ernsthaft die High Potentials schalten das Hirn ab, sobald sie Zuhause sind und die Low Performer sind plötzlich Produktivitätsmaschinen im Büro nur weil der Chef eine Tür weiter sitzt?

 

Es ist für die meisten von uns eine Situation, die wir gerne vermeiden würden. Ein Tag an dem wir morgens lieber im Bett liegen bleiben würden und uns direkt nach dem Aufstehen wünschen, dass schon Abend ist. Ähnlich wie ein Zahnarztbesuch: Unangenehm, aber notwendig. Wovon ich spreche? Von dem Tag, an dem wir eine Einladung zum Vorstellungsgespräch haben und wir nervös Menschen gegenübersitzen, die darüber urteilen, ob wir die richtige Person für den Job sind. Und denen wir uns von unserer Glanzseite zeigen und im optimalen Licht präsentieren müssen.

Gleich zwei Irrtümer, von denen es Zeit ist Abschied zu nehmen!

 

Irrtum #1: „Unternehmen suchen den perfekten Bewerber“

Unternehmen suchen den passenden Bewerber, nicht den Perfekten. Und besser passen kann durchaus jemand, der geringere Qualifikationen mitbringt oder dessen Lebenslauf nicht ganz so gerade ist, wie der eines Mitbewerbers oder einer Mitbewerberin. Und eines gleich vorweg: Gerader Lebenslauf war gestern. Getreu dem Motto: „Sie haben eine Lücke im Lebenslauf. – Ja. War geil.“ War es früher ein absolutes No-Go sind die Lücken heutzutage oftmals genau die Zeiten, in denen wir uns am meisten weiterentwickeln. Das Jahr Weltreise, der Versuch ein Start-Up zu gründen, das abgebrochene Studium. Ja richtig gehört, nicht nur Aussteigen, auch Scheitern ist erlaubt. Es kommt nur darauf an wie man damit umgeht und was man daraus macht. Das kommt auch langsam in den Unternehmen an, die immer mehr nach Bewerbern mit Ecken und Kanten suchen. Die nicht nur stur auf die Noten in den Zeugnissen und auf den Lebenslauf achten. Denn wenn man als Recruiter einmal hinter die Fassade schaut, merkt man schnell, dass die wichtigsten Skills heutzutage weder in der Schule gelehrt werden noch sich auf dem Lebenslauf abbilden lassen.

 

Irrtum #2 „Das Unternehmen entscheidet, ob ich den Job bekomme“

Früher hat man sich beworben und dann die folgenden Tage Zuhause gezittert, ob man den Job bekommt. Heute ist es umgekehrt. Heute hoffen Unternehmen, dass man den Bewerber von sich überzeugen konnte. Klingt übertrieben? Vielleicht, aber Fakt ist, dass die Arbeitslosenquote mit 5,3% (Stand: 31.12.2017) so niedrig ist wie schon lange nicht mehr. Tendenz sinkend. Durch den demografischen Wandel steuern wir auf Vollbeschäftigung zu und das merkt man in einigen Branchen mehr als deutlich. Mit diesem Wandel haben die Bewerber automatisch mehr Macht als je zuvor. Und mit der Generation Y haben wir Nachwuchskräfte auf dem Markt, die sich trauen ihre Erwartungen im Bewerbungsgespräch offen anzusprechen. Und wieder gehen, wenn auf die Worte und Versprechen aus dem Interview später keine Taten folgen.

Aus diesen Gründen ist ein Vorstellungsgespräch immer eine Prüfung von beiden Seiten. Das Unternehmen prüft, ob die Bewerberin bzw. der Bewerber zu ihnen passt, umgekehrt sollte der Bewerber sich ebenfalls fragen, ob er in dem Unternehmen arbeiten möchte.

Und dies sollte nicht nur anhand der Tätigkeit an sich getan werden. Seit wachsam im Vorstellungsgespräch: Wie wird das Interview geführt? Wie ist der Umgangston, die Atmosphäre? Schaut euch um, wie ist das Gebäude gestaltet, die Arbeitsausstattung? Könnt ihr euch vorstellen dort die nächsten Jahre ein- und auszugehen? Wie gehen die Mitarbeiter miteinander um und ja auch, was für ein Gesicht ziehen sie?

Und dann verstell dich nicht, sondern zeig dich so wie du bist! Das wirst du nachher sowieso nicht aufrechterhalten können. Und noch wichtiger: Nicht wollen.

Gerade in der heutigen Zeit des Überflusses haben wir von allem Zuviel. Alles ist quasi immer und überall zugänglich. Und wenn es das mal nicht ist, bricht die große Panik aus. Das kennt jeder von uns, der mal verzweifelt auf ein WLAN-Signal gewartet hat oder vor einem verlängerten Wochenende einkaufen war. Wir überhäufen unseren Einkaufswagen mit Lebensmitteln, von denen wir wissen, dass wir sie niemals alle an den Feiertagen essen können. Selbst dann nicht, wenn plötzlich unsere Großfamilie unangekündigt vor der Tür steht. Und obwohl wir das wissen, tappen wir immer wieder neu in die Falle. Der Gedanke, an einem Feiertag plötzlich dazustehen und etwas nicht verfügbar zu haben macht uns Angst, nicht etwa die Sorge, dass wir verhungern. Wir kennen das nicht mehr. Gerade in den Großstädten gibt es immer eine Tankstelle, einen Späti oder einen Supermarkt am Hauptbahnhof bei dem wir notfalls einkaufen können. Gewöhnlich an 7 Tagen die Woche, 24 Stunden.

Und das spiegelt sich auch auf andere Bereiche unseres Lebens wieder. Bei der Arbeit gehen wir schon längst nicht bei einer Frage bei unserem Kollegen am Ende des Flurs vorbei. Auch greifen wir nicht nur aufs Telefon oder Emails zurück. Nein, wir nutzen außerdem Skype for Business, soziale Medien wie XING, Facebook oder Yammer, SharePoint, Slack oder Messenger wie WhatsApp. Und am besten alles gleichzeitig. War früher ein Kollege nicht am Platz, ist man halt am nächsten Tag nochmal bei ihm vorbeigegangen oder hat ihm einen Zettel auf den Schreibtisch gelegt. Heute skypen wir unsere Arbeitskollegen an, senden ihnen eine E-Mail, wenn sie nicht direkt antworten, um dann 5 Minuten später zum Telefonhörer zu greifen, ob derjenige sie schon erhalten hat und gelesen hat. Geht’s noch? Wo ist unsere Geduld hin, die Kunst abzuwarten? Warum erkoren wir jedes unserer Themen zum „Wenn ich nicht innerhalb der nächsten Minuten eine Antwort bekomme, geht die Welt unter“-Thema und stufen es als überlebenswichtig ein? Ich bin durchaus ein Fan der neuen Medien oder von modernen, schnellen Kommunkationsmitteln. Aber wir sollten einen vernünftigen Umgang mit ihnen finden.

Und wer kennt sie nicht: Die vielen überflüssigen Meetings, in den wir unsere kostbare Zeit absitzen? In denen viel geredet, aber umso weniger etwas gesagt wird. Die beendet werden, ohne eine Entscheidung getroffen zu haben. „Das müssen wir uns dann nochmal anschauen“, heißt es oft. Warum nicht jetzt, wo wir schon mal alle versammelt sind? Warum ist schon wieder niemand vorbereitet? Warum checken parallel alle ihre Mails (oder spielen die etwa Solitär?), anstatt sich gegenseitig zuzuhören und sich mit Respekt zu begegnen?

Auch die Werbung und unser Konsumwahn trägt zum „Zuviel“ bei. Wir verbringen so viel Zeit damit Dinge zu besorgen, die uns die Werbung vorgaukelt zu brauchen und die dann doch unbenutzt in unserer Schublade landen, dass uns diese Zeit für die Dinge fehlt, die uns wirklich erfüllen und die uns glücklich machen. Zeit für das Buch, das schon seit Wochen auf unserem Nachttisch liegt, für unsere Freundin, die wir schon so lange mal wieder besuchen wollten oder oder oder.

Zu viele Meetings im Job, zu viele private Termine und damit Freizeitstress, die Emailflut und ständige Erreichbarkeit, der Konsumwahn… in vielen Lebensbereichen würde es uns gut tun einen Gang zurückzuschalten und uns auf das Wesentliche zu beschränken. Jeder auf seine eigene Weise und in seinem eigenen Tempo.

Wie kommt es, dass wir oftmals gerade dann am glücklichsten sind, wenn wir nur ganz wenig Besitz bei uns haben? Sogar so wenig, das wir andere normalerweise für unzurechnungsfähig erklären würden, wenn sie uns sagen würden, wir müssten damit einige Zeit auskommen? Aber genauso ist es im Urlaub, wenn wir nur ein paar Shorts & Shirts im Gepäck haben und wir am Ende sogar feststellen, dass wir schon wieder zu viel eingepackt haben. Aber wenn wir entspannt, gelassen und ganz bei uns sind, braucht es gar nicht mehr. Dann genießen wir das Leben mit dem was wir haben. Genießen die Einfachheit, dass wir gar nicht so viele Wahlmöglichkeiten haben wie im Alltag und einfach das anziehen, was der Rucksack oder der Koffer hergibt. Uns die einfachen Nudeln mit Tomatensauce, die wir auf dem Campinggrill gezaubert haben, so unfassbar gut schmecken und uns nach einem langen, aufregenden Entdeckungstag so glücklich machen, wie es die 3 Gänge im Szenelokal selten machen. Wobei die auch nicht zu verachten sind. Aber wie so oft im Leben: Die Mischung macht´s und weniger ist manchmal mehr.

Was macht dich wirklich glücklich und zufrieden im Leben?

 

Um ein glückliches und erfülltes Leben führen zu können, musst du wissen welche Bedürfnisse du im Leben hast. Was treibt dich an einem kalten, verregneten Morgen an um 06:00 Uhr in der Früh aufzustehen und dich auf den bevorstehenden Tag zu freuen? Was macht dich zufrieden? Was motiviert dich? Nur wenn du das weißt und dein Leben konsequent nach deinen Motiven ausrichtest, kannst du ein erfülltes Leben führen.

 

Jeder von uns hat andere Antreiber im Leben. Bei dem einen ist es die Macht, die ihn motiviert und das Bedürfnis nach Einflussnahme, bei einem anderen ist es vielleicht der Wunsch nach Unabhängigkeit und Freiheit. Wiederum andere sind erfüllt, wenn sie eine Familie haben und Kinder, um die sie sich kümmern können. Unsere Motive sind unterschiedlich, aber kein Motiv ist dabei besser oder schlechter als ein anderes. Im Gegenteil: Gerade diese Unterschiedlichkeit macht uns doch aus und wie sähe das Leben aus, wenn alle Menschen nur nach demselben Motiv streben würden? Ganz gewiss nicht so spannend wie es in Wirklichkeit ist.

 

Wenn wir unsere Motive kennen, können wir zudem bessere Entscheidungen treffen. Vor allem auch schnellere. Wir müssen nicht lange über das hochdotierte Jobangebot mit dem Firmenwagen in einer starren Unternehmenskultur nachdenken, wenn wir wissen, dass Status und Geld uns gar nicht wichtig sind und wir eigentlich nach Unabhängigkeit streben. Auf der anderen Seite wird uns ein niedrig bezahlter Job in der Wohltätigkeitsorganisation umgekehrt auch nicht erfüllen, wenn wir uns nach Status und Macht sehnen. Das ist völlig in Ordnung. Es geht wie gesagt nicht darum, dass ein Motiv besser als das andere ist.

 

Dies sollten wir uns immer wieder verinnerlichen. Gerade dann, wenn uns unser Gegenüber mal wieder komisch vorkommt. Es ist liegt in der Natur des Menschen das wir erstmal diejenigen, die uns ähnlich sind, auf Anhieb sympathischer finden. Wenn dir selbst Statussymbole zum Beispiel nicht wichtig sind, scheint dir die Person die nach Status strebt und stolz ihren neuen Sportwagen präsentiert, vielleicht auf den ersten Blick arrogant oder du verstehst nicht, wie einem materielle Dinge so wichtig sein können. Doch wenn wir den Blick für die Motive der anderen öffnen und die damit verbundenen Stärken anerkennen, können wir auch die Beziehungen zu unserem Umfeld stärken. Denn wenn man verstanden hat, dass jeden Menschen etwas Anderes antreibt, werden wir toleranter. Wenn unsere höchste Motivation Unabhängigkeit ist und unsere Freundin hat dieses Motiv sehr gering ausgeprägt, verstehen wir plötzlich ihr Verhalten viel besser und können uns auf sie einstellen. Wo wir uns früher aufgeregt haben und ihr Verhalten überhaupt nicht nachvollziehen können, können wir nun vielleicht lächeln und uns über ihren Gemeinschaftssinn freuen.

 

Deine Vorteile auf einem Blick

 

Deine inneren Antreiber zu kennen

  • wird dich langfristig glücklicher und zufriedener machen    (sofern du dein Leben nach ihnen ausrichtest)
  • hilft dir wichtige Entscheidungen besser und schneller zu treffen
  • macht dich toleranter & erhöht die Qualität deiner Beziehungen zu Anderen

Ich gebe zu: Der Titel ist ein bisschen platt. Aber um wirklich voran zu kommen im Leben, ist es wichtig sich Ziele zu setzen. Und damit sind eben nicht die lauen Vorsätze gemeint, die wir beschwipst kurz vor Mitternacht unserer Freundin ins Ohr lallen und die wir kurz nach Mitternacht auch fast schon wieder vergessen haben. Abnehmen, mehr Sport treiben, uns gesünder ernähren. Wir alle kennen die überfüllten Fitnessstudios im Januar. Anstehen vor den Laufbändern und Geräten, es riecht nach Schweiß, keine freien Schränke in den Umkleiden. Die Sportler unter uns aber wissen: Dieser Zustand hält nicht lange an. Im Februar ist es schon merklich gelichtet, spätestens im März haben wir unser Fitnessstudio wieder fast für uns alleine.

 

Jetzt zur Weihnachtszeit und somit In den letzten Tagen des Jahres haben wir Zeit durchzuschnaufen und das vergangene Jahr Revue passieren zu lassen. Haben wir all unsere Vorsätze umgesetzt? Haben wir das erreicht, was wir uns vorgenommen haben? Was lief gut in diesem Jahr? Was lief nicht so gut und was können wir im neuen Jahr besser machen? Sind wir auf dem richtigen Weg um unser ganz großes Ziel, unser Lebensziel, zu erreichen? Welche Ziele haben wir im nächsten Jahr? Was möchten wir im kommenden Jahr umsetzen oder erreichen?

 

So setzt du dir Ziele, die mehr als ein beschwipster Vorsatz in der Silvesternacht sind.

 

Alle oben genannten Vorsätze (Abnehmen, mehr Sport treiben, uns gesünder ernähren) waren keine Ziele! Wenn man sich wirkliche Ziele setzen möchte, braucht es mehr als ein kurzes Sinnieren in der Silvesternacht. Um genauer zu sein braucht es fünf Schritte:

 

1. Setze dir ein konkretes Ziel!

Mache dir Gedanken darüber, was du überhaupt erreichen willst. So banal dieser Schritt klingen mag, umso wichtiger ist er. Es ist von großer Bedeutung dein Ziel so genau wie möglich zu beschreiben und es smart zu formulieren. Smart heißt spezifisch, messbar, aktionsorientiert, realistisch, terminiert.

 

Beispiel

Ich möchte mindestens zweimal die Woche joggen gehen und beim Firmenlauf am 20.05.2018 den 10km-Lauf unter 60 min. laufen.

 

2. Visualisiere dein Ziel!

Erschaffe dir danach ein genaues Bild von dem, was du erreichen willst. Visualisiere dein Ziel. Deinen Wunschzustand. Du kannst dir entweder ein Vision Board erstellen oder auch mit deiner inneren Vorstellungskraft arbeiten.

 

Beispiel

Stell dir zum Beispiel ganz genau vor, wie du bei dem Firmenlauf leichtfüßig deine Runden drehst. Du merkst, dass das harte Training sich gelohnt hat, du zufrieden mit dir und deinem Körper bist, du den Lauf einfach nur genießt. Stell dir ganz genau vor was du an dem Tag anhast, wie du dich fühlst, wer bei dir ist, was du erlebst. Die Visualisierung deiner Ziele trägt stark zu deiner Motivation bei und hilft dir dabei auch in härteren Zeiten durchzuhalten.

 

3. Mache dir einen Plan

Dank des ersten Schrittes weißt du inzwischen ganz genau welches Ziel du im nächsten Jahr erreichen willst. Als nächstes solltest du dir überlegen wie du dein Ziel erreichen kannst. Was wirst du in den nächsten Wochen und Monaten ganz konkret tun, um dein Ziel zu erreichen?

 

Beispiel

Du entwickelst einen detaillierten Trainingsplan, um dein Ziel zu erreichen. In dem Plan hältst du fest an welchen Tagen du wie lange, wie viele Kilometer und in welchem Tempo laufen wirst.

 

4. Fange an zu Handeln

Als letztes ist es immens wichtig, schnell in die Umsetzung zu kommen. Halte dich nicht zu lange an Schritt 2 auf. Ein guter Plan kann wichtig sein, aber am allerwichtigsten ist es möglichst schnell zu handeln und die ersten Schritte umzusetzen, die dich deinem Ziel näherbringen. Manche Menschen vergessen vor lauter Pläneschmieden, die Dinge tatsächlich auch zu machen bzw. investieren sie soviel Zeit dabei einen detaillierten Plan auszutüfteln, dass ihnen diese Zeit dann später für die Handlung fehlt.

 

Beispiel

Wenn es dich zum Beispiel viel Zeit kostest einen Trainingsplan für 6 Monate zu entwerfen, könntest du beispielsweise vorerst nur die erste Woche planen und die Zeitersparnis dazu nutzen um direkt loszulegen. Eine andere Alternative wäre es einen fertigen Trainingsplan im Internet herunterzuladen oder dir von einem Personaltrainer einen auf dich zugeschnittenen Trainingsplan aufstellen zu lassen.

 

5. Fokussiere dich!

Fokussiere dich bei allem was du tust auf dein Ziel. Frage dich bei jeder Tätigkeit „Bringt mich das, was ich gerade tue wirklich näher zu meinem Ziel?“ Falls ja, unbedingt weitermachen. Falls nicht, stoppe die Handlung sofort und fokussiere dich wieder.

 

Beispiel

Du liegst auf dem Sofa und schaust Fernsehen. Bringt dich das deinem Ziel, den 10km-Lauf unter einer Stunde zu laufen, weiter? Wenn du drei anstrengende Trainingstage hinter dir hast, kann eine Regenerationsphase und damit ein Abend auf dem Sofa durchaus sinnvoll sein. Ist es der dritte Abend hintereinander und du hast auch noch ein Bier und eine Tüte Chips in der Hand? Dann wohl kaum und du solltest dich wieder auf dein Ziel fokussieren und ins Handeln kommen.

Die Vorweihnachtszeit ist immer etwas ganz Besonderes im Jahr. Es ist eine schöne Zeit, um einen Gang runterzuschalten, zur Ruhe zu kommen und das Jahr Revue passieren zu lassen. Der Winter und das Wetter sind auch prädestiniert dafür: Was gibt es schöneres als es sich bei Regen, Schnee oder stürmischen Wetter Zuhause mit einer Tasse heißen Schokolade auf dem Sofa gemütlich zu machen und endlich das Buch zu lesen, auf das man sich schon so lange freut? Mit der besten Freundin Weihnachtsplätzchen zu backen oder vor dem Kamin stundenlang zu quatschen? Sich zum x-ten Mal den Lieblingsfilm anzusehen und ohne schlechtes Gewissen einfach mal die Seele baumeln zu lassen? Mit Freunden abends bei einer Flasche Wein zusammen zu kochen oder nach einem Schneespaziergang ein heißes Bad zu nehmen? Herrlich, oder?

 

Die Realität sieht bei den meisten von uns leider anders aus: In der Firma wollen wir schnell noch alles abarbeiten und unsere Projekte abschließen, um mit einem guten Gewissen ins neue Jahr zu gehen. Nach der Arbeit stürzen wir uns ins Getümmel der Geschäfte, um die Geschenke für unsere Lieben zu besorgen und privat hetzen wir von einer Weihnachtsfeier zur anderen, auf die wir oftmals gar keine Lust haben und auch noch ein Wichtelgeschenk mitbringen sollen. Dann müssen wir mit unseren Familien abstimmen, wo wann mit wem gefeiert wird und merken wie schwer es ist, allen Wünschen gerecht zu werden. Doch gerade an Weihnachten möchten wir natürlich niemanden vernachlässigen. Der Weihnachtsmarkt, auf dem wir nach Feierabend verabredet sind, ist ein einziges Geschiebe und schnell sind wir genervt von dem ganzen Weihnachtswahn.

 

Woher kommt es, dass wir die eigentlich besinnliche Zeit als so stressig empfinden? Meisten halsen wir uns gerade in den letzten Wochen des Jahres geradezu einen Terminmarathon auf. Wie wäre es damit einige Termine in den Januar zu schieben, der ohnehin meistens recht trist ist? Dann könnten wir uns in der Adventszeit auf die Dinge besinnen, die uns wirklich wichtig sind, uns Spaß machen und unsere Alltagspflichten entlasten. Ein weiterer Grund ist sicherlich unserem Perfektionismus geschuldet, da gerade an Weihnachten alles möglichst perfekt sein und reibungslos funktionieren soll. Wer meinen Blog verfolgt, durfte schon in meinem Blogbeitrag „Wie du aus der Perfektionismus-Falle aussteigst“ Strategien kennenlernen, die helfen den eigenen Perfektionswahn im Zaum zu halten.  Daneben spielt noch ein zweiter Wahn eine zentrale Rolle für den Weihnachtsstress: der Konsumwahn. Meist auf den letzten Drücker hetzen wir von einem Geschäft zum anderen, die aus allen Nähten platzen, um das ultimative Geschenk für unsere Liebsten zu bekommen. Wie wäre es damit, schon über das Jahr verteilt Geschenkideen zu sammeln oder anstatt Materielles einfach unser wertvollstes Gut zu verschenken: Unsere Zeit! Denn eigentlich geht es doch wie immer nur um eines im Leben und ganz besonders zu Weihnachten: Um das Beisammensein.

Heute möchte ich einen Blick auf die Introvertierten unter uns werfen. Sie gelten oft als schüchtern, langweilig, in sich gekehrt – kurz um: Als Mauerblümchen. Während die Extrovertierten auf Partys von einem Tisch zum nächsten wandern und es genießen im Mittelpunkt der Aufmerksamkeit zu stehen, laut lachen, sich scheinbar mit jedem gut verstehen und sich prächtig amüsieren, beobachten Introvertierte das Treiben oftmals am Rande der Veranstaltung. Alles nur Vorurteile?

Das Introvertierte einen solch schlechten Ruf haben, liegt oftmals daran, dass der Begriff im Sprachgebrauch falsch interpretiert und mit „schüchtern“ gleichgesetzt wird. Auch spricht die Kultur eine große Rolle in der Bewertung der Persönlichkeit. Werden Introvertierte beispielsweise im asiatischen Raum geschätzt, kann es in den USA nicht laut genug sein. Doch was bedeutet introvertiert sein nun eigentlich genau, wenn nicht schüchtern?

Introvertiert bedeutet nichts anderes, als seine Aufmerksamkeit verstärkt auf sein eigenes Innenleben zu richten statt nach außen. Die Begriffe Intro- und Extraversion basieren auf der Typologie von Carl Gustav Jung, einem schweizerischen Psychiater und Begründer der analytischen Psychologie.  Ein wichtiges Erkennungsmerkmal ist außerdem, dass man seine Energie dadurch gewinnt, Zeit mit sich alleine zu verbringen um in Ruhe seine Energiereserven aufzutanken. Wenn introvertierte Personen hingegen lange Zeit am Stück von anderen umgeben sind ohne eine Rückzugsmöglichkeit zu haben, fühlen sie sich schnell erschöpft und ausgelaugt. Dies kann dann schon mal zu Irritationen führen, wenn das Umfeld denkt, man zieht sich nach dem Tagesseminar aus Desinteresse oder Gleichgültigkeit zurück, anstatt den Abend mit den anderen an der Bar zu verbringen. Dabei genießen introvertierte Persönlichkeiten durchaus auch die Gesellschaft von anderen, aber sie benötigen diese Zeit mit sich selbst zwischendurch eben, um ihren Energietank wieder aufzufüllen. Dies sollte man akzeptieren und tolerieren. Jeder von uns trägt im Übrigen sowohl introvertierte als auch extravertierte Züge in sich. Je nach Anlass, Umfeld und Situation können wir also entweder auf unser Inneres oder nach außen gerichtet sein. Doch eine der beiden Richtungen wird von uns favorisiert und durch sie gewinnen wir letztendlich unsere Energie.

Auch als Introvertierte/r kann man sehr erfolgreich sein. Bekannte Persönlichkeiten machen es vor: Angela Merkel, Bill Gates und Albert Einstein sind wohl die berühmtesten Introvertierten, die sich auf leise Weise ihren Weg nach vorne gebahnt haben. Doch wie schafft man es in der Masse nicht unterzugehen und sich gegen die Extrovertierten durchzusetzen? Gerade im Berufsleben ist dies oftmals schwer, wenn der Arbeitskollege wieder lauthals (und ungefragt) seine Ideen zum Besten gibt, bevor man sich überhaupt zu Wort melden konnte. Dies führt zu Frust auf beiden Seiten.

Die Intros müssen sich aber auch auf die Extrovertierten einstellen. Oftmals werden diese von den Introvertierten nämlich als Schwätzer abgetan, die nur reden können, aber keine Kompetenz haben. Zu laut sind. Zu oberflächlich. Das sind genau solche Vorurteile wie umgekehrt. Damit bringt man sich außerdem in die Opferrolle: Die bösen Extrovertierten, die einem immer die Show stehlen und weshalb man lieber gleich die Ideen für sich behält, statt sich vor dem Chef gut zu verkaufen? Nein, dafür ist man schon selbst verantwortlich!

Außerdem gibt es kein gut oder schlecht: Egal, ob extrovertiert oder introvertiert – wir sind alle genau so richtig, wie wir sind. Sowohl die Extrovertierten als auch die Introvertierten haben wertvolle Stärken, die gut für das Miteinander sind. Die uns Impulse geben. Uns voranbringen. Unsere Gesellschaft bereichern.

Wir müssen nur lernen, uns selbst und unser Umfeld zu verstehen und einordnen zu können. Reflektieren, warum wir uns in manchen Situationen so verhalten und nicht anders. Überlegen, wie dies wiederum bei unseren Mitmenschen ankommt und uns somit in unser Gegenüber hineinversetzen. Versuchen die Welt mit seiner Brille zu sehen und bewusst die Perspektive zu wechseln. Wenn wir dies tun, vermeiden wir häufig nicht nur Missverständnisse und Konflikte, sondern haben automisch mehr Verständnis füreinander. Wir können dann viel gelassener mit der Andersartigkeit des Gegenübers umgehen, als immer nur mit erhobenem Finger auf sie zu zeigen und unser Umfeld mit mehr Wertschätzung begegnen. Dies wiederum wird uns erfolgreicher machen – sowohl privat als auch im beruflichen Umfeld. 

Der heimliche Feind unserer Produktivität heißt Perfektionismus. Er bremst uns, indem wir nie mit unserem Ergebnis zufrieden sind. Wir deshalb immer weiter an dem Resultat feilen: Hier noch etwas abändern, dort noch eine Kleinigkeit ergänzen, zum Schluss noch ein Thema recherchieren. Das dumme: Während wir dies tun, fällt uns wieder etwas auf, was wir noch „optimieren“ können und so werden und werden wir nicht fertig. Wir halten uns mit Kleinigkeiten auf, die für das Endresultat letztendlich nicht kriegsentscheidend sind, uns aber sehr viel Energie und Zeit rauben. Wir verzetteln uns und verlieren uns so sehr im Detail, dass wir am Ende des Tages kaum etwas geschafft haben. Anstatt also einfach mal zu machen, blockieren wir uns selbst. Denn letztendlich ist auch ein 80%-Ergebnis besser als ein Perfektes, dass ungesehen in der Schublade liegt und niemand zu sehen bekommt. Oder wie mir letztens jemand sagte: „Lieber stolpernd voranschreiten, als perfekt auf der Stelle zu treten“.

 

Aber um eines gleich auf den Punkt zu bringen: Perfektionismus hat nicht nur schlechte Seiten. Es ist durchaus positiv, wenn man einen hohen Anspruch hat und immer sein Bestes geben möchte. Er wird nur dann zum Problem, wenn er überhandnimmt und wir ihn auch bei solchen Aufgaben einsetzen, bei denen schnelles Handeln wichtiger ist, als im Status Quo zu verharren. Und wir uns ärgern, wenn unser Kollege schon wieder die Idee im Meeting präsentiert, die wir schon vor ein paar Tagen hatten, aber noch über ein Detail grübeln und über die Umsetzbarkeit nachdenken, während unser Kollege schon mittendrin ist im Umsetzen. Dann sollten wir schleunigst etwas tun.

 

Woher kommt Perfektionismus und wie schicke ich ihn dorthin zurück?

 

In erster Linie kommt Perfektionismus von unser Gewissenhaftigkeit. Wir möchten alles richtigmachen und ein gutes Ergebnis abliefern. Der Chef soll sich schließlich auf uns verlassen können und die Kollegen sollen wissen, dass wir kompetent sind.

 

Ein anderer Grund ist unsere Erziehung. Schon früh wurden wir gelobt, wenn wir gute Noten geschrieben oder etwas richtiggemacht haben. Bei Fehlern hingegen hieß es schnell „Dann musst du dich beim nächsten Mal noch mehr anstrengen“.

 

Meist steckt aber auch die Angst davor, Fehler zu machen und von anderen ausgelacht oder als inkompetent eingestuft zu werden. Wir haben Angst von unseren Mitmenschen negativ bewertet oder nicht mehr gemocht zu werden. Perfektionismus äußert sich insbesondere in unserem Denken. Wir setzen uns selbst unter Druck mit Gedanken wie „Ich muss immer alles richtigmachen“ und „Nur wenn ich perfekt bin, verdiene ich Anerkennung und bin es wert, geliebt zu werden“. Aus dem gleichen Grund bürden wir uns auch oft viel zu viel auf.

 

Kennt ihr das? Unsere To-do-Liste quillt über und wir wissen nicht, wo uns der Kopf steht. Bis übermorgen müssen wir eine Präsentation vorbereiten und öffnen wir unser E-Mail-Postfach, sehen wir eine endlose Reihe unbeantworteter Mails. Nach der Arbeit müssen wir noch einkaufen gehen (die Eier natürlich vom Bauern am Stadtrand, das Fleisch beim Metzger unseres Vertrauens und den Rest vom Biomarkt) und unsere nächste Reise planen. Dann ist da noch die Familienfeier am Wochenende (natürlich mit selbstgekochtem 3-Gänge-Menü und auserwählter Tischdekoration, es soll ja ein ganz besonderer Abend werden) und der anstehende Wohnungsputz (was sollen die Gäste sonst denken). Das Geburtstagsgeschenk für unsere Freundin müssen wir noch besorgen und das Fitnessstudio würde uns auch mal gerne wieder von innen sehen. Wenn unser Umfeld merkt, wie wir gerade ins Schleudern kommen und uns anbietet etwas abzunehmen, senden die wenigsten von uns unserem Gegenüber ein dankbares Lächeln und freuen uns. Nein, aufopfernd und beinah heldenreich sagen wir „Das ist lieb, aber das ist nicht nötig“ und lehnen die Hilfe tatsächlich ab. Warum eigentlich? Erstens wollen wir keine Schwäche zeigen und zweitens machen es die anderen uns ja doch nicht gut genug. Wir wollen es ja perfekt und wenn es nicht genauso wird, wie wir es uns vorstellen, sind wir unzufrieden. Wenn unser Partner uns dann zum Beispiel vorschlägt für die Familienfeier Essen zu bestellen oder aus dem 3-Gang-Menü einfach zwei Gänge zu streichen, schauen wir ihn verständnislos an und schütteln genervt den Kopf. Im schlimmsten Fall machen wir ihm noch Vorwürfe, dabei hat er es nur gut gemeint. Warum ich dieses Beispiel aus Frauensicht schreibe, ist kein Zufall. Denn meistens sind es die Frauen, die sich zu viel aufhalsen und es allen recht machen möchten. Vor allem uns selbst.

Dies hat letztendlich auch körperliche Folgen. Wir sind angespannt, nervös, innerlich unruhig und versetzen uns durch unsere hohen Ansprüche an uns selbst permanent in einen Stresszustand. Dies ist auf Dauer nicht gesund und verstärkt unsere Unsicherheit zudem noch weiter.

 

Diese vier Tipps helfen dir, um deinen Perfektionismus nach und nach abzulegen:

 

# 1: Setze dir für eine Aufgabe ein konkretes Zeitfenster!

Möchtest du eine Aufgabe abarbeiten, setze dir vorher bewusst ein konkretes Zeitfenster. Stell dir am besten einen Timer, damit du die Zeit immer im Auge hast. Wenn du von Anfang an weißt, dass du nur zwei Stunden Zeit hast, um beispielsweise die Präsentation für das Meeting zu erstellen, wirst du von Beginn an schneller als sonst arbeiten und dich viel eher auf das große Ganze konzentrieren, als auf unwichtige Details.

 

# 2: Freu dich darauf Fehler zu machen!

Ja, du hast richtig gelesen. Denn Fehler bringen dich weiter und aus ihnen lernen wir besonders viel. Sie sind unsere Chance zu wachsen. Und alle Fehler können wir auch mit unserem Perfektionismus nicht ausschließen. Egal wie gut wir uns vorbereiten, denn dafür ist die Welt heutzutage viel zu komplex. Aber so what? Die Hauptsache ist doch, dass wir ans Machen kommen und nicht den schlimmsten Fehler von allen begehen: Zu spät zu sein.

 

# 3: Bleib locker!

Du musst nicht immer alles bis ins kleinste Detail planen und dich selbst dabei überschlagen. Deine Gäste sind mit einem weniger aufwendigen Gericht zufriedener, wenn du mit ihnen dafür entspannt am Tisch sitzen und lachen kannst, statt von den Vorbereitungen erschöpft um elf am Tisch einzuschlafen. Einfach mal Fünfe gerade sein lassen und mehr genießen!

  

# 4: Du darfst auch Hilfe annehmen!

Wenn du wirklich gerade kein Land siehst und trotz neu entdeckter Lockerheit (dank Tipp 3) einfach viel zu tun hast, ist es durchaus erlaubt dein Umfeld um Hilfe zu fragen bzw. diese auch anzunehmen. Die anderen freuen sich, wenn sie dir helfen können und du kannst dich bei Zeiten revanchieren. Du hast Angst, dass sie es nicht genauso gut machen wie du selbst? Überschätz dich nicht und bleib locker 🙂

 

Eine Sache zum Schluss: Die Tipps helfen dir, schneller ins Handeln zu kommen und deine Erwartungen an der ein oder anderen Situation runterzuschrauben. Das wird nicht von heute auf morgen klappen und setze dich damit nicht unter Druck, indem du dir vornimmst ab sofort die Tipps zu Hundertprozent umzusetzen. Das wäre nur eine weitere Form von angewandtem Perfektionismus. Also lieber locker bleiben, Fehler erlauben und üben die Dinge loszulassen.

Abi in der Tasche. Uns liegt die Welt zu Füßen. Wir haben alle Möglichkeiten, alle Chancen, alle Türen stehen uns offen. Eltern und Verwandte beneiden uns und sagen immer wieder „So etwas hat es zu unserer Zeit nicht gegeben“, „Das hätten wir nicht gekonnt…“ „Wenn ich noch mal jung wäre…“. Recht haben Sie! Wir müssen was machen aus unserem Leben. Müssen unsere Chance nutzen. Euphorisch möchten wir uns sofort ins Abenteuer stürzen und setzen uns Feuer und Flamme an den Rechner.

 

Ausbildung, Studium, Duales Studium, Fernstudium, Abendstudium, Praktikum, Auslandspraktikum, Work & Travel, Au Pair, Hilfsprojekte, Freiwilliges Soziales Jahr… Puh. Uns brummt der Schädel. Wir recherchieren, sind begeistert, recherchieren weiter, stoßen auf neue Möglichkeiten, die uns ebenso begeistern, recherchieren, zweifeln an unserer ersten Wahl, recherchieren und wissen am Ende gar nichts mehr. Statt ins Abenteuer fallen wir in eine Starre und machen erstmal: Gar nichts mehr. Außer unser Kopf, der dreht sich weiterhin – im Kreis.

 

Viele von uns kennen das Gefühl der Unentschlossenheit. Es fängt bei der Wahl des Studiums oder des Ausbildungsplatzes an und macht auch vor anderen Lebensbereichen nicht halt. Schließlich müssen wir nicht nur den Studiengang oder Ausbildungsberuf wählen, sondern im nächsten Schritt auch, wo wir studieren oder die Ausbildung absolvieren möchten. Bleiben wir in der Heimat, ziehen wir in die Großstadt oder gar ins Ausland?

 

Und wenn wir dann endlich eine Entscheidung getroffen haben, atmen wir innerlich auf. Endlich hat das Hin und Her ein Ende. Großartig! Doch schon bald schleicht sich dieses Gefühl wieder klammheimlich in uns hinein. Eine leise Stimme meldet sich zu Wort wie „War das wirklich die richtige Entscheidung?“ und „Willst du diesen Beruf nun wirklich die nächsten 30 bis 40 Jahre ausüben?“. Schnell versuchen wir die Gedanken beiseite zu schieben, aber die Zweifel nagen an uns und der Job ödet uns immer mehr an. Also stehen wir wieder vor der Entscheidung: Bleiben oder gehen? Weitermachen oder noch einmal eine Veränderung wagen?

 

Ganz schön anstrengend, oder?

 

Was bei manchen Leuten nur manchmal und nur bei größeren Entscheidungen auftritt, nennt man Unentschlossenheit. Scheinbar mühelos entscheiden sie sich kurzerhand für eine Alternative, wohin andere schon bei der Auswahl der Vorspeise im Restaurant pur verzweifeln.

 

In den Medien wird oft davon berichtet, dass die Unentschlossenheit ein Merkmal unserer Generation ist. Und das frühere Generationen nicht so sprunghaft waren. Generation Y als Generation Maybe. Hm, ziemlich plump finde ich. Denn auch keine andere Generation zuvor, hatte so viele Wahlmöglichkeiten wie wir sie haben und mussten demnach nicht annähernd so viele Entscheidungen treffen. Natürlich ist es toll, dass einem alle Möglichkeiten offenstehen und wir wählen können, was wir mit unserem Leben anfangen. Aber manchmal ist es eben auch schwierig und bedarf Zeit, für sich persönlich die richtige Wahl zu treffen. Hinter der wir dann auch stehen und mit der wir zufrieden sind.

 

Kritiker sagen „Jetzt zieh doch mal eine Sache durch“. Unsere Freunde geben uns den Rat „Hör auf deinen Bauch“. Alles gut gemeint, klar. Doch was ist, wenn der Bauch nicht reden will oder wir die Stimme nicht hören können, weil der Kopf eben viel lauter schreit?

 

Diese 3 Tipps können dir dabei helfen, Entscheidungen schneller zu treffen:

 

Tipp 1: Erlaube dir Fehler zu machen!

Fast immer zögern wir Entscheidungen hinaus aus Sorge die Wahl später zu bereuen. Denn Angst davor zu haben Entscheidungen zu treffen, bedeutet auch immer Angst davor zu haben, Fehler zu machen. Dies ist sicherlich auch ein Punkt, den wir generell in unserer Gesellschaft nahezu verlernt haben. Es ist nicht erwünscht einfach Dinge auszuprobieren oder auszutesten. Gehen sie schief, muss man sich Vorwürfen stellen, dass wir uns vorher nicht sorgfältig genug informiert haben, dass man das hätte verhindern können und so weiter. Dabei sind es auf der anderen Seite immer die Fehler, an denen wir wachsen und besonders viel lernen.

 

Tipp 2: Lerne dich selbst und deine Bedürfnisse kennen!

Bevor du dich entscheidest ist es wichtig, dich selbst gut zu kennen. Welche deiner Bedürfnisse müssen unbedingt erfüllt sein, damit du glücklich bist? Hast du ein ausgeprägtes Freiheitsbedürfnis? Dann weißt du, dass ein Job mit sehr starren Arbeitszeiten nicht der Richtige für dich ist. Du wünschst dir so viel Zeit wie möglich mit deiner Familie und deinen Freunden verbringen zu können? Dann bringt dich das Studium in Australien nicht ans Ziel. Überlege dir ganz genau und in Ruhe, was dir wirklich wichtig ist. Was brauchst du und welche Dinge müssen erfüllt sein, damit du zufrieden und glücklich sein kannst? Bist du eher introvertiert oder extrovertiert? Wenn du introvertiert bist und dich nach einer terminreichen Woche nach Ruhe sehnst, brauchst du nicht lange über die Einladung zu der Cluberöffnung grübeln. Frag deine Freundin, ob sie mit dir alternativ in die Sauna gehen möchte oder mache es dir mit einem guten Buch und einem Glas Wein gemütlich. Wenn du deine Bedürfnisse kennst, kannst du sehr schnell schon ein paar Optionen ausschließen und dich schneller entscheiden.  

 

Tipp 3: Trainiere deine Entscheidungsfreude!

Entscheidungen zu treffen kann man üben. Gerade kleinere, alltägliche Entscheidungen bieten sich zum Trainieren sehr gut an. Wenn du zum Beispiel im Supermarkt merkst, dass du zwei ähnliche Produkte schon ziemlich lange in deinen Händen hältst, drehst und wendest und sie miteinander vergleichst, dann werde dir bewusst wie viel Zeit du gerade verschwendest und treffe ganz schnell eine Wahl. Genauso kannst du es üben, wenn du zum Bäcker gehst und unentschlossen die Auswahl in der Theke betrachtest. Oder du überlegst, ob du nach der Arbeit lieber daheimbleiben oder mit deiner Freundin oder deinem Freund um die Häuser ziehen sollst. Nimm dir von Anfang an vor, sehr schnell die Pro´s und Contras abzuwägen und eine Wahl zu treffen. Wichtig ist, dass du konsequent bei deiner Entscheidung bleibst, auch und vor allem dann, wenn danach Zweifel aufkommen oder du die Wahl bereust. Du wirst schnell merken, wieviel Zeit du sparst und wie gut es sich anfühlt, wenn man schnell ins Handeln kommt. Diese kleinen Übungen helfen uns dann auf Dauer auch mit größeren Entscheidungen leichter umzugehen. Selbst wenn du später doch mal feststellst, dass die andere Wahl klüger gewesen wäre: Na und? Du kannst dir dann immer noch das andere Produkt kaufen oder dich beim nächsten Mal eben anders entscheiden. Siehe #1: Erlaube dir Fehler zu machen und ärgere dich nicht zu lange darüber!

Die Generation Y ist in vieler Munde. Selten wurde über eine Generation soviel in den Medien berichtet – selten auch so negativ. Und gefühlt steigern sich die Schlagzeilen von Tag zu Tag. Die Millennials seien faul, fordernd und verwöhnt heißt es oft. Zudem haben sie kein Durchhaltevermögen, was ihre schnellen Jobwechsel zeigen. Doch ist es wirklich so schlecht um uns bestellt wie in den Medien dargestellt?

Um uns zu verstehen, muss man wissen, was uns antreibt, welche Werte wir haben und in welchem Umfeld wir aufgewachsen sind. Kurz: Wie wir ticken.

 

Wer sind wir?

Unter die Generation Y fallen alle Personen, die zwischen 1980 und 1999 geboren wurden und größtenteils einen akademischen Hintergrund haben. Vertreter der Generation Y sind demnach heute zwischen 18 und 37 Jahre alt. Der Buchstabe Y wird englisch Why ausgesprochen, was auf das charakteristische Hinterfragen der Generation Y hinweisen soll. Sie ist die Nachfolgegeneration der Generation X und der Baby Boomers.

Wie sind wir aufgewachsen?

Wir sind als erste Generation mit den neuen Medien aufgewachsen (wir werden deshalb auch als Digital Natives bezeichnet) und besitzen daher eine sehr hohe Technikaffinität. Der frühe Umgang mit Laptops, Smartphones und Tablets sowie Facebook & Co. haben uns geprägt. Das Kommunikationsverhalten, das wir im Netz anwenden, möchten wir auch in unser reales Leben und vor allem in die Arbeitswelt übertragen: Schnelle Kommunikation, kurze Entscheidungswege, regelmäßiges Feedback und Austausch mit dem Vorgesetzten auf Augenhöhe. So wie wir es aus den sozialen Medien gewohnt sind.

Seit unserer Kindheit leben wir in einer Zeit des Wohlstandes und sogar Überflusses. Knappheit kennen wir nicht. Auch mussten wir meist nicht monatelang auf etwas hin sparen, bis wir es uns leisten konnten. Wir hatten – dank unserer Eltern – immer alles was wir brauchten. Aus diesem Grund ist Besitztum für uns viel weniger erstrebenswert als für unsere Vorgängergenerationen. Im Gegenteil: Viele von uns empfinden zu viel Besitz sogar als Ballast und leben minimalistisch. Dieser Trend stellt aktuell einen Boom für die Sharing-Kultur dar. Wir merken, dass wir nicht mehr alles selbst besitzen müssen. Wir brauchen eine Bohrmaschine oder ein Skateboard fürs Wochenende? Prima, dann gehen wir rüber zum Nachbarn! Dank Nachbarschafts-App ist schnell jemand gefunden, der uns den gewünschten Gegenstand gerne ausleiht, bevor er ungenutzt im Keller steht. Und für Autos und Fahrräder gibt es ja schon seit längerer Zeit verschiedene Sharing-Anbieter. Einen Firmenwagen zur Motivation? Der zieht bei uns schon längst nicht mehr.

Wir sind aber auch in einem Umfeld aufgewachsen, in dem scheinbar nichts mehr sicher ist. Ereignisse wie der 11. September und andere Terroranschläge, die Finanzkrise, Klimakatastrophen wie Fukushima oder die Entwicklungen der Altersvorsorge prägen unsere Jugend. Auch gibt es immer weniger Festanstellungen und mehr befristete Arbeitsverträge. Hinzu kommt ein Umfeld, das von ständigen Veränderungen geprägt ist, die immer schneller auf uns einprasseln und schon zur Normalität gehören. Dies wird sich auch in Zukunft nicht mehr ändern. Aus all diesen Entwicklungen haben wir gelernt, dass wir uns auf nichts verlassen können und selbst vorsorgen müssen. In unsere Altersvorsorge, aber auch vor allem in unsere Bildung, damit wir auch in Zukunft attraktiv für den Arbeitsmarkt sind.

Was treibt uns an?

Die Generation Y sucht mehr als jede andere Generation einen Sinn in ihrer Arbeit. Freiraum, Selbstverwirklichung und ein ausgeglichenes Verhältnis von Freizeit und Arbeit stehen für uns an erster Stelle. Wir möchten uns weiterentwickeln, dazulernen und wachsen. Außerdem möchten wir nicht erst nach der Arbeit Spaß haben, sondern auch schon während der Arbeit, weshalb die Sinnsuche im Job noch einmal mehr an Bedeutung gewinnt. Wir möchten auch nicht blind irgendwelchen Anweisungen folgen, sondern mitentscheiden! Ganz so wie wir es von klein auf gewohnt sind. Denn auch Zuhause hatten wir schon frühzeitig ein Mitspracherecht und wurden in wichtige Entscheidungen mit eingebunden. Unsere Eltern haben uns immer die Möglichkeit gegeben selbst zu entscheiden was für uns das Richtige ist und uns auf unserem eigenen Weg unterstützt, statt uns ihren Weg vorzugeben. So standen uns alle Möglichkeiten offen. Eine neue Sportart lernen, ein Jahr an die High-School in den USA, das Hilfsprojekt in Afrika in den Sommerferien oder die Weltreise nach dem Abi. Für uns stand die Welt offen und wir liebten das Gefühl uns permanent weiterzuentwickeln. Doch dann kommen wir ins Arbeitsleben und spüren oftmals plötzlich einen Stillstand. Wenn dann von oben noch blind Anweisungen heruntergebrochen werden, die aus unserer Sicht gar keinen Sinn ergeben, die uns auch nicht erklärt werden und schlimmstenfalls gar nicht erklärt werden können, schalten wir geistig ab oder kündigen. Erst innerlich und dann auch in der Realität. Weg sind wir. Tschüss Langeweile und Fremdbestimmung. Hallo neue Chance und Selbstbestimmung.

Auch die Arbeitszeiten sind für uns so ein Thema. Wir verstehen es nicht, warum wir Tag für Tag von 9-5 im Büro sitzen sollen. Natürlich verstehen wir, dass es Berufe gibt, die eine Anwesenheit erfordern, aber bei vielen Jobs eben auch nicht. Und nachdem wir den gesamten Vormittag vor Ort im Meeting gesessen haben, können wir die Präsentation für den Kundenbesuch nächste Woche genauso gut (wenn nicht sogar besser) von Zuhause aus erstellen, nachdem wir uns beim Sport ausgepowert, die Sonnenstrahlen im Café genossen oder die Kinder von der Schule abgeholt haben. Denn dann sind wir mit unseren Gedanken wieder ganz bei der Arbeit – konzentriert, motiviert und vor allem produktiv. Während wir hingegen im Büro immer sehnsüchtig aus dem Fenster gestarrt und davon geträumt hätten, wie schön es jetzt wäre in der Sonne an der frischen Luft zu sein.

Wenn wir allerdings uns und unsere Ideen bei unserem Arbeitgeber aktiv mit einbringen und im Rahmen der Möglichkeiten unsere Arbeitszeiten flexibel gestalten können und dazu das Gefühl haben, dass wir permanent dazulernen und uns weiterentwickeln, dann können selbst wir treu sein und müssen nicht alle 1-2 Jahre den Arbeitgeber wechseln.