Entscheidungsfreude

Abi in der Tasche. Uns liegt die Welt zu Füßen. Wir haben alle Möglichkeiten, alle Chancen, alle Türen stehen uns offen. Eltern und Verwandte beneiden uns und sagen immer wieder „So etwas hat es zu unserer Zeit nicht gegeben“, „Das hätten wir nicht gekonnt…“ „Wenn ich noch mal jung wäre…“. Recht haben Sie! Wir müssen was machen aus unserem Leben. Müssen unsere Chance nutzen. Euphorisch möchten wir uns sofort ins Abenteuer stürzen und setzen uns Feuer und Flamme an den Rechner.

 

Ausbildung, Studium, Duales Studium, Fernstudium, Abendstudium, Praktikum, Auslandspraktikum, Work & Travel, Au Pair, Hilfsprojekte, Freiwilliges Soziales Jahr… Puh. Uns brummt der Schädel. Wir recherchieren, sind begeistert, recherchieren weiter, stoßen auf neue Möglichkeiten, die uns ebenso begeistern, recherchieren, zweifeln an unserer ersten Wahl, recherchieren und wissen am Ende gar nichts mehr. Statt ins Abenteuer fallen wir in eine Starre und machen erstmal: Gar nichts mehr. Außer unser Kopf, der dreht sich weiterhin – im Kreis.

 

Viele von uns kennen das Gefühl der Unentschlossenheit. Es fängt bei der Wahl des Studiums oder des Ausbildungsplatzes an und macht auch vor anderen Lebensbereichen nicht halt. Schließlich müssen wir nicht nur den Studiengang oder Ausbildungsberuf wählen, sondern im nächsten Schritt auch, wo wir studieren oder die Ausbildung absolvieren möchten. Bleiben wir in der Heimat, ziehen wir in die Großstadt oder gar ins Ausland?

 

Und wenn wir dann endlich eine Entscheidung getroffen haben, atmen wir innerlich auf. Endlich hat das Hin und Her ein Ende. Großartig! Doch schon bald schleicht sich dieses Gefühl wieder klammheimlich in uns hinein. Eine leise Stimme meldet sich zu Wort wie „War das wirklich die richtige Entscheidung?“ und „Willst du diesen Beruf nun wirklich die nächsten 30 bis 40 Jahre ausüben?“. Schnell versuchen wir die Gedanken beiseite zu schieben, aber die Zweifel nagen an uns und der Job ödet uns immer mehr an. Also stehen wir wieder vor der Entscheidung: Bleiben oder gehen? Weitermachen oder noch einmal eine Veränderung wagen?

 

Ganz schön anstrengend, oder?

 

Was bei manchen Leuten nur manchmal und nur bei größeren Entscheidungen auftritt, nennt man Unentschlossenheit. Scheinbar mühelos entscheiden sie sich kurzerhand für eine Alternative, wohin andere schon bei der Auswahl der Vorspeise im Restaurant pur verzweifeln.

 

In den Medien wird oft davon berichtet, dass die Unentschlossenheit ein Merkmal unserer Generation ist. Und das frühere Generationen nicht so sprunghaft waren. Generation Y als Generation Maybe. Hm, ziemlich plump finde ich. Denn auch keine andere Generation zuvor, hatte so viele Wahlmöglichkeiten wie wir sie haben und mussten demnach nicht annähernd so viele Entscheidungen treffen. Natürlich ist es toll, dass einem alle Möglichkeiten offenstehen und wir wählen können, was wir mit unserem Leben anfangen. Aber manchmal ist es eben auch schwierig und bedarf Zeit, für sich persönlich die richtige Wahl zu treffen. Hinter der wir dann auch stehen und mit der wir zufrieden sind.

 

Kritiker sagen „Jetzt zieh doch mal eine Sache durch“. Unsere Freunde geben uns den Rat „Hör auf deinen Bauch“. Alles gut gemeint, klar. Doch was ist, wenn der Bauch nicht reden will oder wir die Stimme nicht hören können, weil der Kopf eben viel lauter schreit?

 

Diese 3 Tipps können dir dabei helfen, Entscheidungen schneller zu treffen:

 

Tipp 1: Erlaube dir Fehler zu machen!

Fast immer zögern wir Entscheidungen hinaus aus Sorge die Wahl später zu bereuen. Denn Angst davor zu haben Entscheidungen zu treffen, bedeutet auch immer Angst davor zu haben, Fehler zu machen. Dies ist sicherlich auch ein Punkt, den wir generell in unserer Gesellschaft nahezu verlernt haben. Es ist nicht erwünscht einfach Dinge auszuprobieren oder auszutesten. Gehen sie schief, muss man sich Vorwürfen stellen, dass wir uns vorher nicht sorgfältig genug informiert haben, dass man das hätte verhindern können und so weiter. Dabei sind es auf der anderen Seite immer die Fehler, an denen wir wachsen und besonders viel lernen.

 

Tipp 2: Lerne dich selbst und deine Bedürfnisse kennen!

Bevor du dich entscheidest ist es wichtig, dich selbst gut zu kennen. Welche deiner Bedürfnisse müssen unbedingt erfüllt sein, damit du glücklich bist? Hast du ein ausgeprägtes Freiheitsbedürfnis? Dann weißt du, dass ein Job mit sehr starren Arbeitszeiten nicht der Richtige für dich ist. Du wünschst dir so viel Zeit wie möglich mit deiner Familie und deinen Freunden verbringen zu können? Dann bringt dich das Studium in Australien nicht ans Ziel. Überlege dir ganz genau und in Ruhe, was dir wirklich wichtig ist. Was brauchst du und welche Dinge müssen erfüllt sein, damit du zufrieden und glücklich sein kannst? Bist du eher introvertiert oder extrovertiert? Wenn du introvertiert bist und dich nach einer terminreichen Woche nach Ruhe sehnst, brauchst du nicht lange über die Einladung zu der Cluberöffnung grübeln. Frag deine Freundin, ob sie mit dir alternativ in die Sauna gehen möchte oder mache es dir mit einem guten Buch und einem Glas Wein gemütlich. Wenn du deine Bedürfnisse kennst, kannst du sehr schnell schon ein paar Optionen ausschließen und dich schneller entscheiden.  

 

Tipp 3: Trainiere deine Entscheidungsfreude!

Entscheidungen zu treffen kann man üben. Gerade kleinere, alltägliche Entscheidungen bieten sich zum Trainieren sehr gut an. Wenn du zum Beispiel im Supermarkt merkst, dass du zwei ähnliche Produkte schon ziemlich lange in deinen Händen hältst, drehst und wendest und sie miteinander vergleichst, dann werde dir bewusst wie viel Zeit du gerade verschwendest und treffe ganz schnell eine Wahl. Genauso kannst du es üben, wenn du zum Bäcker gehst und unentschlossen die Auswahl in der Theke betrachtest. Oder du überlegst, ob du nach der Arbeit lieber daheimbleiben oder mit deiner Freundin oder deinem Freund um die Häuser ziehen sollst. Nimm dir von Anfang an vor, sehr schnell die Pro´s und Contras abzuwägen und eine Wahl zu treffen. Wichtig ist, dass du konsequent bei deiner Entscheidung bleibst, auch und vor allem dann, wenn danach Zweifel aufkommen oder du die Wahl bereust. Du wirst schnell merken, wieviel Zeit du sparst und wie gut es sich anfühlt, wenn man schnell ins Handeln kommt. Diese kleinen Übungen helfen uns dann auf Dauer auch mit größeren Entscheidungen leichter umzugehen. Selbst wenn du später doch mal feststellst, dass die andere Wahl klüger gewesen wäre: Na und? Du kannst dir dann immer noch das andere Produkt kaufen oder dich beim nächsten Mal eben anders entscheiden. Siehe #1: Erlaube dir Fehler zu machen und ärgere dich nicht zu lange darüber!

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