Das Werte wichtig sind im Leben ist nichts neues.

Egal, ob im Privat- oder Berufsleben: Werte geben uns Orientierung und beeinflussen unser gesamtes Tun. Und doch stelle ich immer wieder fest, dass es vielen schwer fällt ihre eigenen Werte zu benennen. Nicht weil, sie keine haben, sondern weil sie sich noch nie bewusst darüber Gedanken gemacht haben.

 

Die Gefahr ist allerdings groß, dass wir dann nur die Werte leben, die wir unbewusst von unserem Umfeld übernommen haben oder diejenigen, die uns anerzogen wurden. Doch das sind nicht automatisch die, die wir auch leben WOLLEN.

 

Es lohnt sich also mal genauer hinzublicken, welche Werte man hat und welche man davon auch leben will. Und dieser Blick zu den eigenen Werten sollte im besten Fall nicht einmalig sein, sondern regelmäßig erfolgen. Denn Werte können sich im Laufe unseres Lebens verändern.

 

Aus diesem Grund solltest du dir hin und wieder die Zeit nehmen um einen Check-Up zu machen: Sind das noch die Werte, mit denen ich mich identifizieren kann? Lebe ich meine Werte zu einhundert Prozent? Und falls nein, warum eigentlich nicht?

 

Die Klarheit, die du dadurch gelangst, gibt dir Orientierung. Bei jeder Entscheidung kannst du einen Blick auf deine Werte werfen und dich fragen, mit welcher Option du ihnen am gerechtesten wirst. Dieses Wissen hilft dir auch im Job.

 

„Irgendwas stimmt nicht“

 

Hast du auch schon mal erlebt, dass du mit deinem Job immer zufrieden warst und auf einmal schleicht sich ein komisches Gefühl ein? Du kannst es nicht ganz deuten, aber du merkst, dass du unzufrieden bist und vor allem auch immer unzufriedener wirst. Als ob wir Sand im Getriebe haben, läuft es plötzlich nicht mehr ganz so geschmiert. Das gleiche können wir im Freundeskreis erleben. Eine gute Freundin, mit der wir uns immer super verstanden haben, nervt uns plötzlich oder wir können ihre Ansichten auf einmal nicht mehr nachvollziehen. „Irgendwie ist die komisch geworden“, denken wir.

 

Werte können sich verändern

 

Genau hier kommt der zweite wichtige Aspekt hinzu, den es zu beachten gilt: Nicht nur deine Werte ändern sich, sondern natürlich können sich auch die Werte deines Umfelds verändern und auch die deines Arbeitgebers. Gerade im Unternehmenskontext erlebe ich es aber oft, dass irgendwann mal Unternehmenswerte definiert wurden und diese dann Jahre, wenn nicht Jahrzehnte später – inzwischen schon verblichen – immer noch auf einem Plakat neben der Kantine hängen. Wenn diese noch gültig sind und Bestand haben, alles gut. Aber wenn wir ehrlich sind, wird das Unternehmen längst von einer neuen Führungsmannschaft angeführt und die Werte sind nur noch eine Erinnerung an längst vergangene Zeiten.

 

Das blöde nur: Wenn man die Werte nicht anpasst (oder klar kommuniziert, dass diese keine Gültigkeit mehr haben) sorgen sie permanent für eine Desorientierung der Mitarbeiter, da es eine Diskrepanz gibt zwischen den offiziellen – und den gelebten Werten. Das birgt Risiken, die schon beim Recruiting anfangen. Die Bewerber orientieren sich an den kommunizierten Unternehmenswerte auf der Homepage; das Management an den gelebten Werten in der Praxis und die Recruiter verstehen manchmal die Welt nicht mehr. Und so geht die Kluft zwischen den alten Hasen im Unternehmen („früher war alles besser“) und den neuen Mitarbeitern („jetzt herrschen halt andere Zeiten“) immer weiter auseinander.

 

Im Job-Alltag empfiehlt sich also auch ein Blick hinter die Kulissen: Wie lauten die Unternehmenswerte offiziell und welche werden tatsächlich gelebt? Denn es nützt dir nichts, wenn deine Werte mit denen des Unternehmens übereinstimmen – auf dem Papier. Die Praxis entscheidet!

 

Und so ist es auch in deinem Leben. Wenn du dir deiner Werte bewusst bist, musst du sie auch leben. Punkt.

 

Klar, es kann auch mal Ausnahmen geben und wir dürfen natürlich auch mal Fehler machen. Ich denke da zum Beispiel an eine durchzechte Nacht mit deinen Freunden oder der gemütliche Fernsehabend auf der Couch mit Pizza und Wein, obwohl „Gesundheit“ zu deinen Top-Werten gehört. Mal ist das ok. Mal macht es auch einfach Spaß etwas zu tun, bei dem man ganz genau weiß, dass es nicht vernünftig ist. Das war schon in unserer Kindheit so und gehört auch jetzt zum Leben dazu. Aber, und jetzt kommt eben doch der Moralapostel in mir hoch: Wenn dein Wert Gesundheit lautet und du damit gesunde, frische Ernährung und regelmäßige Bewegung verbindest, dann sollten solche Abende Ausnahmen sein. Wenn du jeden Tag auf dem Sofa rumlungerst und dich von einer Netflix-Serie zur nächsten zappst und der Pizza-Lieferdienst am Telefon nur fragt „Wie immer?“, dann läuft etwas verkehrt. Du musst also entweder dein Verhalten ändern oder ehrlich zu dir sein und dich von dem Wert Gesundheit verabschieden. Das ist nicht nur konsequent, sondern auch die einzige Möglichkeit sich selbst treu zu bleiben.

 

Und da Fehler machen zum Leben dazu gehört, darfst du auch mit deinem Arbeitgeber ruhig gnädig sein, wenn aus deiner Sicht nicht alles ganz so optimal läuft. Wie oft zeigen wir mit erhobenen Zeigefinger auf unseren Chef und machen selbst nicht alles richtig? Eben. Aber natürlich ist das kein Freifahrtschein für schlechte Führung, denn eins ist klar: Die Richtung muss stimmen.

 

Und was, wenn die Richtung nicht stimmt?

 

Solltest du feststellen, dass deine Werte konträr zu denen deines Arbeitgebers verlaufen, kann eine Trennung sinnvoll sein. Denn nichts macht uns unzufriedener, wenn wir tagein tagaus entgegen unserer Werte leben. Außer eines: Es nicht Mals zu merken. Denn nur, wenn du weißt, wo der Hund begraben liegt, kannst du etwas an deiner Situation ändern.

 

 

 

 

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